Die Postkarte trifft ein, freundlich formuliert: „Warum haben Sie letztes Jahr nichts bestellt?“ Blöd nur, dass Ihr Kunde erst vor zwei Wochen geordert hat. Er ruft an, irritiert. Ein vermeidbares Eigentor – und ein Lehrstück dafür, wie wichtig saubere Daten und kluge Kundensegmentierung sind. Denn die richtige Botschaft zur richtigen Zeit an die richtige Zielgruppe zu senden, ist kein Glückstreffer, sondern das Ergebnis von Struktur.
In vielen Unternehmen ruht das Potenzial in der Datenbank – unausgeschöpft, unsortiert, unpräzise. Wer konsequent segmentiert, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt Relevanz, Sympathie und Wiederkäufe.
Warum Segmentierung Ihr Marketing schärft
- Sie sprechen Kundengruppen gezielter an und steigern die Response.
- Sie steigern den Wert von B- und C-Kunden, indem Sie passende Angebote entwickeln.
- Sie erkennen Frühindikatoren für Abwanderung und können reaktivieren.
- Sie vermeiden Kommunikations-Fettnäpfchen durch gepflegte Stammdaten.
Kurz: Kundensegmentierung ist das Fundament wirksamer Marketingkampagnen, ob Print, E-Mail, Social oder Telefon.
Der Klassiker: ABC-Analyse – aber richtig angewendet
Die ABC-Analyse bleibt ein praxisnaher Startpunkt:
– A-Kunden: rund 20% der Kunden machen etwa 80% des Umsatzes – höchste Priorität, persönliche Betreuung, Key Account Management.
– B-Kunden: Entwicklungskandidaten – durch gezielte Impulse können sie zu A werden.
– C-Kunden: hohe Anzahl, geringe Umsätze – effizient automatisiert ansprechen, selektiv entwickeln.
Entscheidend ist die jährliche Aktualisierung. Prüfen Sie, wer auf- oder abgestiegen ist, und fragen Sie konsequent nach dem „Warum“. Daraus entstehen Maßnahmen: Reaktivierung, Up-Selling, Content-Strategien – oder auch eine klare Trennung, wenn die Passung nicht mehr gegeben ist.
Mehr als Umsatz: Segmente, die Wirkung entfalten
Umsatz ist wichtig – aber nicht alles. Wirksame Segmentierung verbindet mehrere Kriterien:
Kaufstatus: Interessent, Neukunde, Wiederkäufer, inaktiv.
Beispiel: Neukunden kontaktieren Sie nach der ersten Lieferung aktiv, holen Feedback ein und bieten einen „Wiederkauf-Anker“ an.
- Branche: Sprache, Bildwelt und Angebote differenzieren.
Beispiel: In der Stahlbranche funktionieren coole Metalltöne in Print und sachliches Wording – das wirkt professionell und passgenau. - Herkunftskanal: Empfehlung, Website, Podcast, Messe, Telefon.
So wissen Sie, welche Botschaften in welchem Kanal funktionieren und wo Sie Budget erhöhen sollten.
- Thema/Interesse: Nachhaltigkeit, Geschwindigkeit, Preis, Innovation.
Nicht jedes Thema passt zu jedem. Branchenhinweise helfen, Affinitäten einzuschätzen, wenn individuelle Daten fehlen. - Potenzial/Fit: Passt der Kunde zum Geschäftsmodell?
Beispiel B2B-Druck: Laufkundschaft mit Kleinaufträgen ist für Prozesse nicht geeignet – klare, höfliche Weiterempfehlung spart Zeit und Nerven. - CRM ohne Overkill: Pragmatismus schlägt Perfektion
Ein CRM-System ist Gold wert – wenn es genutzt wird. Es muss nicht überdimensioniert sein.
Wichtig sind:
– saubere Stammdatenpflege (Anrede, Adresse, Ansprechpartner, Einwilligungen),
– Filter- und Exportfunktionen für Kampagnen,
– Historie von Kontakten, Bestellungen, Reaktionen,
– einfache Felder oder Tags für Segment-Zuordnung (ABC, Branche, Status, Herkunft, Interessen).
Viele ERP- oder Warenwirtschaftssysteme bieten Module, die reichen. Entscheidend ist, dass Ihr Team das System lebt. Denn das schönste Mailing verpufft, wenn die Adresse nicht stimmt – oder „Sehr geehrter Herr …“ zur falschen Person geht.
Reaktivieren statt resignieren: „Schlafende“ Kunden wecken
Ein Klassiker mit hoher Rendite: Inaktive Kunden identifizieren, Gründe verstehen, gezielt zurückholen. Drei Bausteine, die erfahrungsgemäß wirken:
– Timing und Anlass (z. B. Jahreswechsel, Produktneuheit, Service-Upgrade),
– klarer Nutzen (Rabatt ist nicht die einzige Lösung – exklusiver Content, Prototypen, schnellere Lieferfenster oder Nachhaltigkeitszertifikate sind oft überzeugender),
– persönlicher Ton – idealerweise mit Bezug auf Branche oder bisherige Projekte.
Von B zu A: Entwicklung statt Zufall
B- und C-Kunden werden selten aus Versehen zu A-Kunden. Planen Sie „Entwicklungsleitern“:
– passgenaue Bundles pro Branche,
– wiederkehrende Service-Angebote,
– Cross- und Up-Selling entlang der Customer Journey,
– regelmäßige, relevante Touchpoints (z. B. Best-Practice-Case im gleichen Segment).
Messen Sie, welche Impulse wirken – und justieren Sie. So wird aus Segmentierung eine Wachstumsmaschine.
Was Sie heute starten können
- ABC-Status für das letzte Jahr aktualisieren.
- Mindestens drei Zusatzsegmente definieren (z. B. Branche, Status, Herkunftskanal).
- Datenhygiene-Check: Anreden, Adressen, Ansprechpartner – wer ist verantwortlich?
- Reaktivierungsliste: Inaktive Kunden identifizieren und Kampagne planen.
- „Nicht-Passende“ klar definieren und freundlich weiterempfehlen – Fokus spart Budget.
Fazit
Kundensegmentierung ist keine Schreibtischübung, sondern ein Umsatzhebel. Sie gewinnen Klarheit über Wert, Potenziale und Risiken Ihrer Kundenbasis. Mit einem praxistauglichen CRM, konsequenter Datenpflege und klugen Segmenten treffen Ihre Botschaften ins Schwarze – ohne peinliche Fehlanreden oder verlorene Rückläufer. So wird Ordnung zum Wachstumstreiber.
Wenn wir Sie dabei unterstützen dürfen, melden Sie sich gerne bei uns.






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