+49 2103 28895-0 info@ddh-hilden.de

Holzfrei ist nicht holzlos: Wie Sie das richtige Papier für Ihre Drucksachen wählen

Jan. 28, 2026 | Digitaldruck, Nachhaltigkeit, Papier

Sie stehen vor der Papierauswahl und sehen die Bezeichnung „holzfrei“ – klingt klimafreundlich, oder? Genau an diesem Punkt beginnt der Irrtum, den viele Marken, Agenturen und Einkaufsteams machen. In einem Kundengespräch fragte man mich einmal: „Welches Papier kommt holzfreiem Papier am nächsten?“ Meine Gegenfrage: „Wissen Sie, was holzfrei wirklich bedeutet?“ Die Stille am anderen Ende sagte alles.

Was „holzfrei“ tatsächlich heißt 

Holzfrei heißt nicht ohne Holz. Es bedeutet: Der Holzstoff Lignin wurde bei der Papierherstellung weitgehend entfernt – meist so, dass der Ligninanteil unter 5% liegt. Holz besteht vor allem aus Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Letzteres sorgt für Stabilität und ist der Grund, warum Holz hart ist – und warum Papier mit hohem Ligninanteil schneller vergilbt.

Um holzfreies Papier herzustellen, wird Lignin chemisch herausgelöst und das Papier oft zusätzlich optisch aufgehellt. Ergebnis: Eine glatte, brillante, weiße Oberfläche, die nicht so schnell vergilbt. Typisch dafür sind Bilderdruckpapiere, viele Buchpapiere und hochwertige Geschäftsausstattungen.

Holzhaltig: natürlicher Look, andere Stärken 

Holzhaltige Papiere enthalten mehr Lignin – man sieht manchmal kleine Partikel oder Faserpunkte, die dem Material einen rustikal-natürlichen Charakter geben. Diese Papiere wirken haptisch „ehrlicher“, oft etwas cremiger im Ton und eignen sich hervorragend für Anwendungen, die Persönlichkeit und Handwerklichkeit transportieren sollen: Hangtags, Postkarten, Verpackungen, Begleitkarten, nachhaltige Markenkommunikation. Bei sehr dünnen Grammaturen stößt holzhaltiges Papier allerdings an Grenzen, da das Material spröder sein kann.

Recyclingpapier: sichtbare Fasern, sichtbare Haltung 

Auch Recyclingpapiere zeigen gelegentlich sichtbare Faserreste. Das ist kein Makel, sondern ein Statement. Wer nachhaltige Markenkonzepte lebt, setzt genau dadurch visuelle Akzente. Wichtig: Die Druckqualität ist heute auf vielen Recyclingpapieren hervorragend – entscheidend ist die passende Sorte für Ihr Projekt.

Das große Missverständnis: Nachhaltigkeit 

Holzfrei klingt, als würden weniger Bäume gefällt. Stimmt nicht. Der Rohstoff kommt in beiden Fällen aus Holz. Der Unterschied liegt in der Aufbereitung. Wenn Ihnen die Herkunft wichtig ist (und das sollte sie sein), achten Sie auf Zertifizierungen und Öko-Labels. Zertifizierte Papiere stammen aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft – unabhängig davon, ob sie holzfrei oder holzhaltig sind.

Kurz gesagt: 

– Holzfrei = Lignin reduziert, chemisch aufbereitet, weiß, alterungsbeständig.
– Holzhaltig = mehr Lignin, natürlicher Look, kann schneller vergilben, oft charakterstark.
– Nachhaltigkeit = vor allem eine Frage der Zertifizierung und des Gesamtkonzepts, nicht der Bezeichnung „holzfrei“.

Wann Sie welches Papier wählen sollten 

– Imagebroschüren, Magazine, Kataloge: holzfreies Bilderdruckpapier für brillante Farben und hohe Detailtreue.
– Bücher und Reports: holzfreies, ungestrichenes Papier für gute Lesbarkeit ohne Spiegelungen.
– Postkarten, Hangtags, Naturverpackungen: holzhaltige oder Recyclingpapiere für charaktervolle Haptik und glaubwürdige Nachhaltigkeitsbotschaften.
– Brand-Storytelling: holzhaltig oder Recycling, wenn Authentizität und Materialehrlichkeit im Vordergrund stehen.
– Langzeitprojekte oder Archivierung: holzfrei, weil geringere Vergilbung.

Vergilbung und Alterung verstehen 

Der Ligninanteil ist der Treiber für Vergilbung. Holzhaltige Papiere verändern ihren Farbton schneller – was gewollt sein kann, wenn ein warmer, organischer Look Teil des Designs ist. Holzhaltig ist also nicht „schlechter“, sondern „anders“ – entscheidend ist, ob es zu Ihrer Botschaft, Nutzungsdauer und zum Touch & Feel passt.

Noch ein spannender Aspekt: Lignin als Ressource 

Der herausgelöste Holzstoff ist kein Abfall ohne Wert. Lignin findet zunehmend Anwendung als Bindemittel oder in Verbundwerkstoffen. In einer konsequent gedachten Kreislaufwirtschaft wird dieser Nebenstrom zum Rohstoff – ein Thema, das die Papier- und Bauindustrie künftig stärker verbinden dürfte.

Ihr Entscheidungsfahrplan 

1) Zweck: Wie lange soll das Produkt gut aussehen? Brauchen Sie strahlendes Weiß oder natürlichen Charme?
2) Haptik & Marke: Clean und präzise (holzfrei) oder organisch und charaktervoll (holzhaltig/Recycling)?
3) Nachhaltigkeit: Zertifizierung, regionale Verfügbarkeit, Recyclinganteil berücksichtigen.
4) Technik: Grammatur, Weiterverarbeitung, Laufrichtung und Druckverfahren testen – Andrucke lohnen sich.

Fazit 

„Holzfrei“ ist eine technische Bezeichnung, keine Umweltzusage. Treffen Sie die Wahl nicht aus dem Bauchgefühl heraus, sondern entlang Ihrer Markenwirkung, Nutzungsdauer und Nachhaltigkeitsziele. Wenn Sie die Logik hinter Lignin, Weißgrad und Haptik verstehen, treffen Sie Papierentscheidungen, die wirken – im Auftritt, im Budget und im Sinne Ihrer Nachhaltigkeit.

 

Wenn Sie Fragen zu dem Thema haben, melden Sie sich gerne bei uns.

Zum Podcast PRINTSPIRATION:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert