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Warum Realness im B2B-Marketing gewinnt

Aug. 26, 2026 | Marketing

Werbung ist überall. Nachrichten, Anzeigen, Reels, Newsletter, Retargeting: Die Zahl der digitalen Berührungspunkte steigt, während die Aufmerksamkeit sinkt. Gerade deshalb stellt sich für Unternehmen eine zentrale Frage: Wie bleibt eine Marke positiv im Gedächtnis, ohne noch lauter, noch beliebiger oder noch aufdringlicher zu werden?

Die Antwort liegt nicht zwingend in einem größeren Media-Budget. Sie kann in einer Idee liegen, die zum richtigen Zeitpunkt für die richtigen Menschen entwickelt wurde. In der Podcastfolge mit Timm Dorgaten geht es genau darum: um Werbemittel, die nicht einfach verteilt werden, sondern eine Funktion erfüllen, eine Geschichte erzählen und echte Wertschätzung vermitteln.

Das Ende des Bauchladens

Der klassische Ablauf ist bekannt: Ein Anbieter kommt mit einem Sortiment an Standardartikeln zum Kunden. Kugelschreiber, Tassen, Trinkgefäße oder Taschen werden ausgewählt, mit Logo versehen und bestellt. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Auch Standardprodukte können sinnvoll sein. Das Problem beginnt dort, wo das Produkt die Strategie ersetzt.

Timm Dorgaten verfolgt mit seiner Frau Bianca bei FamilySurprise deshalb einen anderen Ansatz. Bevor ein Artikel ausgewählt wird, stehen Fragen im Raum: Wer ist der Kunde? Was ist der Anlass? Welche Zielgruppe soll erreicht werden? Geht es um eine Messe, einen Mitarbeitergeburtstag, eine Kundenbindung oder eine besondere Aktion? Erst wenn diese Zusammenhänge klar sind, lässt sich entscheiden, welches Medium wirklich passt.

Diese Perspektive verändert die Rolle des Werbemittels. Es ist nicht länger bloß ein Gegenstand mit Logo, sondern Teil einer konkreten Kommunikationsmaßnahme. Ein Produkt kann Aufmerksamkeit erzeugen, einen Gesprächseinstieg schaffen, eine Erinnerung auslösen oder den Nutzen einer Marke sichtbar machen. Dafür muss es jedoch zum Kontext passen.

Relevanz schlägt Warenwert

Ein wirksames Werbemittel muss nicht teuer sein. Entscheidend ist, ob die Idee nachvollziehbar und passend ist. In der Episode wird beispielsweise ein Lolli auf einem gestanzten Flip-Flop als Sommeraktion beschrieben. Der materielle Warenwert steht dabei nicht im Mittelpunkt. Die Wirkung entsteht durch die Gestaltung, den Anlass und die Assoziation: Sommer, Kindheitserinnerung, eine kleine Überraschung und ein Moment echter Aufmerksamkeit.

Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen Preis und Wert. Ein teurer Artikel kann austauschbar wirken, wenn er keinen Bezug zum Empfänger hat. Eine kleine, durchdachte Geste kann dagegen lange im Gedächtnis bleiben. Wer eine solche Maßnahme plant, sollte daher nicht zuerst fragen: Was kostet das Stück? Sondern: Warum sollte jemand dieses Produkt behalten, nutzen oder darüber sprechen wollen?

Die passende Idee kann auch bewusst mit Erwartungen brechen. Statt Weihnachtsgeschenke in einer Phase zu versenden, in der viele Unternehmen unter hohem Zeitdruck stehen und zahlreiche Präsente erhalten, kann ein anderer Zeitpunkt sinnvoller sein. Halloween, der Spätsommer oder die Zeit nach den Sommerferien können Chancen bieten, weil dort weniger Konkurrenz um Aufmerksamkeit besteht.

Die Messetasche als Beispiel für gutes Konzeptdenken

Besonders anschaulich ist die Geschichte einer Werbemittelmesse in Düsseldorf. Dort fiel Timm eine große, magentafarbene Tasche auf, die viele Besucherinnen und Besucher trugen. Sie war nicht zwingend das teuerste Produkt auf der Messe. Ihre Stärke lag darin, ein konkretes Problem zu lösen: Auf einer Messe sammeln Menschen Muster, Kataloge und Produkte. Sie brauchen Platz, sie tragen viel und sie bewegen sich über lange Wege.

Die Tasche wurde dadurch zum sichtbaren Begleiter auf dem gesamten Gelände. Sie transportierte nicht nur Gegenstände, sondern auch Markenpräsenz. Das Unternehmen hinter der Tasche war überall sichtbar, weil die Besucher das Produkt tatsächlich brauchten und nutzten.

Dieses Beispiel zeigt, was konzeptionelle Werbemittel leisten können. Sie müssen nicht spektakulär kompliziert sein. Aber sie brauchen einen klaren Gedanken. Wer ein Problem im jeweiligen Umfeld versteht und eine passende Lösung anbietet, kann mit einem vermeintlich einfachen Produkt eine hohe Wirkung erzielen.

Persönliche Kommunikation bleibt unverzichtbar

Die Folge behandelt nicht nur Werbemittel, sondern auch die Art, wie Geschäftsbeziehungen entstehen. Beide Gesprächspartner betonen die Bedeutung persönlicher Netzwerke. Dabei geht es nicht um aggressives Verkaufen oder um das Sammeln möglichst vieler Leads. Es geht um Begegnungen, Gespräche, gegenseitiges Verständnis und Empfehlungen.

Dieser Ansatz ist bewusst persönlich. Menschen kaufen bei Menschen, lautet ein Gedanke aus dem Gespräch. Gerade bei komplexen Dienstleistungen oder individuellen Projekten ist Vertrauen ein entscheidender Faktor. Eine Empfehlung öffnet häufig nicht nur die Tür zu einem neuen Kontakt. Sie verändert auch die Ausgangslage des Gesprächs. Wer empfohlen wird, muss weniger erklären, warum er grundsätzlich vertrauenswürdig sein könnte, und kann schneller über die eigentliche Aufgabe sprechen.

Netzwerken funktioniert dabei besonders gut, wenn es nicht als kurzfristige Vertriebsmaßnahme verstanden wird. Der Wert liegt im Austausch mit Menschen, die ähnliche unternehmerische Fragen kennen, unterschiedliche Kompetenzen mitbringen und sich gegenseitig weiterempfehlen können. Aus solchen Verbindungen entstehen Synergien, kreative Impulse und langfristige Partnerschaften.

KI beschleunigt Prozesse, ersetzt aber keine Beziehung

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von KI. Timm beschreibt KI als wichtigen Hebel für Geschwindigkeit und Produktivität. Sie kann bei Zusammenfassungen, Strukturierung und vielen vorbereitenden Aufgaben helfen. Gleichzeitig warnt er davor, Kommunikation vollständig zu automatisieren.

Automatisierte E-Mails oder Antworten können effizient wirken, aber schnell unpersönlich werden. Wenn der Ton nicht zur Person passt oder eine Nachricht mehrfach überarbeitet werden muss, ist der Zeitgewinn oft gering. Noch wichtiger: Empfänger merken häufig, ob eine Nachricht wirklich individuell formuliert wurde oder ob sie wie ein austauschbarer Prozessschritt wirkt.

Die sinnvolle Trennung lautet daher nicht Mensch oder Technik, sondern Technik für die Vorbereitung und Mensch für die Beziehung. KI kann Informationen ordnen, Ideen strukturieren und Routineaufgaben beschleunigen. Die entscheidenden Gespräche, die ehrliche Wertschätzung und das Verständnis für den jeweiligen Kunden bleiben menschliche Aufgaben.

Individualisierung beginnt mit Zuhören

Nicht jede Zielgruppe reagiert auf die gleichen Signale. Manche Menschen wollen konkrete Zahlen, klare Fakten und nachvollziehbare Argumente. Andere reagieren stärker auf persönliche Ansprache, kreative Ideen oder emotionale Geschichten. Wer alle gleich anspricht, spricht am Ende oft niemanden wirklich an.

Das gilt auch für Werbemittel. Ein Lolli kann für einen Empfänger eine charmante Erinnerung sein, für einen anderen jedoch keine Relevanz haben. Deshalb beginnt Individualisierung nicht mit dem Druck einer persönlichen Ansprache. Sie beginnt mit Zuhören.

Ein gutes Briefing muss nicht kompliziert sein. Entscheidend sind die richtigen Fragen: Was soll beim Empfänger ausgelöst werden? Welche Situation begleitet das Produkt? Welche Rolle spielt die Marke im Alltag dieser Person? Und welche Botschaft soll nach dem Kontakt übrig bleiben? Wer diese Fragen beantwortet, kann aus einem Standardartikel ein passendes Markenerlebnis machen – oder bewusst ein völlig anderes Produkt wählen.

Regionalität als glaubwürdiger Teil der Markenstory

Im Gespräch wird außerdem deutlich, dass Regionalität mehr sein kann als ein Etikett. Lokale Produktion, kurze Wege und persönliche Partnerschaften schaffen Nähe und Transparenz. Wer weiß, wer ein Produkt veredelt, verpackt oder produziert, kann diese Herkunft auch glaubwürdig kommunizieren.

Dabei geht es nicht um den Anspruch, dass jedes Grundmaterial aus der unmittelbaren Umgebung stammen muss. Gerade bei Textilien oder anderen globalen Lieferketten ist das oft nicht realistisch. Entscheidend ist vielmehr, verantwortungsvolle Entscheidungen sichtbar zu machen: mit Partnern, die man kennt, mit nachvollziehbaren Prozessen und mit lokaler Wertschöpfung dort, wo sie möglich ist.

Diese Haltung kann auch ein Marketingvorteil sein. Kunden entscheiden sich nicht nur für ein Produkt, sondern oft für die Geschichte dahinter. Wenn sichtbar wird, dass regionale Kreative, Produzenten und Dienstleister gemeinsam an einer Lösung arbeiten, entsteht ein anderes Bild als bei einer anonymen Bestellung über eine beliebige Plattform.

Fazit: Nicht von der Stange heißt nicht kompliziert

Die zentrale Erkenntnis aus der Folge ist klar: Wirkung entsteht nicht durch möglichst viele Werbemittel, möglichst niedrige Stückpreise oder maximale Reichweite allein. Wirkung entsteht, wenn eine Maßnahme durchdacht ist.

Das kann eine große Tasche auf einer Messe sein, weil sie ein praktisches Problem löst. Es kann ein Wassereis im Sommer sein, weil es zum Moment passt. Es kann ein hochwertigeres Geschenk für einen Immobilienkauf sein, weil es dem Wert der Beziehung gerecht wird. Und es kann ein persönliches Gespräch sein, das aus einem losen Kontakt eine langfristige Empfehlung macht.

Werbemittel sind dann stark, wenn sie nicht von der Stange kommen – nicht unbedingt, weil jedes Produkt einzigartig gefertigt sein muss, sondern weil die Idee dahinter individuell entwickelt wurde. In einer überladenen Kommunikationswelt wird genau diese Realness zur wertvollen Währung.

 

Mehr zu Bianca, Timm und FamilySurprise:

https://www.linkedin.com/in/bianca-dorgaten-280b15372/

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Zum Podcast PRINTSPIRATION:

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