Stellen Sie sich vor: Ein Lieferant bringt regelmäßig Papier. Irgendwann fragt er, ob Sie das auch bedrucken könnten. Heute läuft darüber ein Web-to-Print-Shop für Visitenkarten.
Das ist keine Erfolgsgeschichte über cleveres Marketing. Das ist die Geschichte einer Partnerschaft, die entstand, weil zwei Seiten irgendwann aufgehört haben, nur zu liefern und zu bestellen.
Kunden bestellen. Partner gestalten mit.
Es gibt zwei Arten von Geschäftsbeziehungen. Die erste ist transaktional: Auftrag rein, Produkt raus, Rechnung bezahlt. Das funktioniert. Viele Unternehmen laufen auf diesem Modell.
Die zweite Art ist schwerer zu beschreiben – aber sofort spürbar, wenn sie entsteht. Es ist der Moment, wo jemand nicht fragt „Was kostet das?“, sondern „Was wäre hier eigentlich die beste Lösung?“
Felix und Birgit von Printspiration, einer Druckerei aus der Region, erleben beide Varianten täglich. Und sie machen keinen Hehl daraus, welche sie bevorzugen.
Wie aus einem Papierlieferanten ein Partner wurde
Der Ausgangspunkt war schlicht: Antalis lieferte Papier. Regelmäßig, zuverlässig, ohne viel Aufhebens. Dann begann man, miteinander zu sprechen.
DDH organisierte eine Hausmesse und lud Antalis ein, ihre Produkte direkt vor Ort zu präsentieren. Endkunden konnten sich informieren, Antalis konnte aus erster Hand hören, was die Leute wirklich brauchen. Das war für beide Seiten neu.
Aus diesen Begegnungen entstand Vertrauen. Der Außendienstmitarbeiter wohnte in der Nähe – und lagerte zeitweise sogar sein Merchandise-Lager bei der Druckerei ein. Sporadische Aufträge kamen dazu. Dann mehr. Heute betreibt Antalis seinen Web-to-Print-Shop für Visitenkarten über DDH.
Was kein Angebot leisten kann
Ein anderes Beispiel aus dem Alltag: Nach einer Kundenumfrage nannte ein Großkunde das jährliche Strategiegespräch als das Wertvollste an der Zusammenarbeit. Nicht den Preis. Nicht die Lieferzeiten. Das Gespräch.
„Da kommt es dann auch nicht auf den letzten Cent an“, sagt Felix, „weil das kann man im Grunde gar nicht bezahlen.“
Das klingt nach Idealismus. Es ist aber handfeste Geschäftsstrategie. Wer einmal im Jahr gemeinsam schaut, was war, was kommt und wohin die Reise geht, entwickelt Strategien, die ein bloßes Auftraggeber-Dienstleister-Verhältnis nie produzieren würde.
Ideen kommen von außen – wenn man zuhört
Einen weiteren Nebeneffekt beschreibt Felix so: Wenn Kunden von ihren eigenen Projekten erzählen, entstehen fast automatisch neue Ideen für das eigene Unternehmen. Man hört etwas, denkt „da könnten wir noch mal hingucken“ – und plötzlich entwickelt sich das Leistungsportfolio.
Mit X-NRW, dem Xerox Platinum und Premium Production Partner aus Neuss, entstand so eine gemeinsame Messepräsenz. Zusammen war die Wertschöpfungskette greifbar – etwas, das keine Produktbroschüre hätte leisten können.
Empfehlen nur, was man selbst kennt
Ein Punkt, der in der Episode auffällt: Beide sind sehr zurückhaltend, was Empfehlungen angeht. Wer jemanden empfiehlt, stellt seinen eigenen Namen dahinter. Birgit bringt es auf den Punkt: „Man empfiehlt ja nichts, wo man nicht selber hinter steht.“
Das gilt auch in die andere Richtung. Wer als Partner empfohlen werden will, muss liefern – nicht nur im Alltag, sondern gerade dann, wenn etwas schiefläuft. Die Reaktion auf Fehler entscheidet über die Qualität einer Beziehung.
„Wenn was schiefläuft, direkt als Erstes miteinander sprechen und gucken, wie man die Kuh vom Eis kriegt“, sagt Felix. Keine langen Schuldzuweisungen. Kein Herumschreien. Lösung zuerst, Analyse danach.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Nicht jede Geschäftsbeziehung muss eine Partnerschaft werden. Routineaufträge gehören zum Grundrauschen, wie Felix selbst sagt. Aber es lohnt sich, regelmäßig zu prüfen: Mit wem spreche ich eigentlich – wirklich?
Der Lieferant, der immer pünktlich liefert, könnte ein potenzieller Kunde sein. Der Kunde, der jedes Jahr dasselbe bestellt, könnte gemeinsam mit Ihnen etwas entwickeln, das keiner von beiden alleine hinbekommen hätte.
Dafür braucht es kein großes Konzept. Manchmal reicht eine Einladung zur Hausmesse.
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